Bezüglich der Reihenfolge der Suren sind Überlieferungen vorhanden, die von großen Experten anerkannt werden und Großteils durch Ibn Abbås überliefert worden sind. Wie z.B. eine Überlieferung, die seiner Zeit vom Schreiber Ahmad Ibn Ya’qubi, auch bekannt als Ibn Våzih Ya’qubi (gestorben 292 nach der Hedschra) erzählt wird. Dieser hat es von Muhammad Ibn Så’ib Kulbi, und er von Abi Sålih erhalten, und Abi Sålih hat es von Ibn Abbås selbst erhalten.[1]

Ein weiteres Beispiel ist eine Überlieferung, die Muhammad Ibn Is’håq Waråq, bekannt als Ibn Nadim (gestorben 385 h.q.) in seinem Buch „Al-Fihrist“ veröffentlichte.[2] Eine andere Überlieferung von Ibn Abbås erreicht uns durch einen Gelehrten des fünften Jahrhunderts nach der Hedschra, dem großen Bewahrer des Qur’ans, Ubaidullah Ibn Abdullah Ibn Ahmad, bekannt als Hakim Haskåni Neyschåburi, der das Werk „Schawåhid At-Tanzil“ verfasste. Er gab es an Abu Muhammad Mahdi ben Nazår Husseinie Qåyini, der es an seinen Schüler, Allameh Tabrasi weiter gab, der selbst eine Qur’anexegese verfasst hat. Weitere Überlieferungen erreichten uns durch das Werk „Al-Iezåh“ vom Meister Ahmad Zåhid[3], Imam Badr ed Din Zarkaschi, dem ersten Forscher in Qur’anischen Fragen (gestorben 794 h.q.) in seinem Werk „Al-Burhån fie Uloum Al-Qur’an“ (verfasst 773 h.q.), worin er sich ausführlich mit Überlieferungen bezüglich der Reihenfolge befasst und sagt: „Dies ist vom Qur’an offenbart worden, und ich lehne dies an vertrauenswürdige Überlieferungen an.“[4] Djalål ed-din Soyouti, ein großer Gelehrter seiner Zeit (gestorben 911 h.q.) überliefert in seinem bekannten Werk „Al-Atqån“ die Reihenfolge, und zitiert auch eine Ordnung, welche im Buch An-Nåsikh wal-Mansoukh von Abulhassan ben Hisår erschienen ist. Soyouti überliefert die Reihenfolge von Djåbir ibn Zaid[5], wessen Überlieferungen als Komplemente der Überlieferung von Ibn Abbås anerkannt werden.[6]

Allameh Tabrasi und andere Experten erwähnen auch, dass die Reihenfolge der Suren mit dem Zeitpunkt der Offenbarung des Anfangs jeder Sure zu tun hat. Wenn mehrere Verse einer Sure offenbart werden, und vor ihrer vollständigen Offenbarung eine oder gar mehrere Suren vollständig offenbart werden, ist bei der Reihenfolge immer noch der Zeitpunkt zu berücksichtigen, in der der Anfang der Sure offenbart worden ist. Die fünf ersten Verse der Sure Alaq z.B. wurden am Anfang des Auftrags des hl. Propheten (s.) offenbart, und der Rest erst mehrere Jahre später. Ähnliches gilt für Suren wie Al-Muddathir, Al-Muzzammil und andere. So gilt die Sure Al-Alaq als die erste Sure, die offenbart wurde, wie es von Tabrasi in seinem Werk Madjma‘ al-Bayån (Band 10, S. 405) vom Buch „Al-Iezåh“ von Ahmad Zåhid überliefert.

Die Reihenfolge der Suren wurde von Ibn Abbås überliefert. Vervollständigt wurde dies von Djåbir ibn Yazid, und korrigiert wurde dies durch mehrere, vertrauenswürdige Überlieferungen.[7]

Die Sure Al-Fåtiha kommt in dem, was Soyouti von Ibn Abbås erzählt nicht vor. Dies wurde Anhand der Überlieferungen von Djåbir ibn zaid, und auch basierend auf dem, was im Werk „die Ya’qubi Geschichte“ niedergeschrieben wurde, korrigiert. (Al-Atqån, Band 1, S. 25 und die Ya’qubi Geschichte, Band 2, S. 26).

Ausnahmsverse

Manche, damalige Experten schrieben in ihren Werken, dass Verse in manchen Suren erschienen sind, die nicht dem Ursprung der Sure entsprechen. Manche in Mekka offenbarten Suren beinhalten z.B. Verse, die in Medina offenbart worden sind und umgekehrt. Aufgrund der Empirie sind wir jedoch vom Gegenteil überzeugt, und jede in Mekka offenbarte Sure enthält nur mekkanische Verse, sowie jede medinische Sure ausschließlich medinische Verse enthält.[8] Hier werden einige Beispiele erörtert:

Beispiel 1: Es wird gesagt, dass in der Sure Al-Maeda der Vers: „Heute haben die Ungläubigen vor eurem Glauben resigniert; also fürchtet nicht sie, sondern fürchtet Mich. Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt“[9] dem hl. Propheten (s.) während der Arafa offenbart worden ist.[10] Diese Fehlvorstellung rührt da her, dass man den tatsächlichen Ort der Offenbarung als Kriterium für den Ursprung eines Verses sieht und davon ausgeht, dass jede in Mekka offenbarte Sure als mekkanisch zu gelten hat, selbst wenn sie nach der Hedschra des hl. Propheten (s.) offenbart worden ist. Das eigentliche Kriterium für den Ursprung der Verse ist aber die Hedschra und die Aufteilung mekkanisch/medinisch basiert darauf, ob die Sure vor oder nach der Hedschra offenbart worden ist.

Beispiel 2: Es wird gesagt, dass in der Sure Al-Tawba der Vers: „Es kommt dem Propheten und den Gläubigen nicht zu, für die Götzendiener um Verzeihung zu flehen, und wären es selbst ihre nächsten Verwandten, … Abraham war doch gewiß zärtlichen Herzens und sanftmütig“[11] beim Tod Abu Talibs in Mekka offenbart worden ist, während der hl. Prophet (s.) ihm versicherte, dass er um seine Vergebung beten wird.[12] Davon gehen nur die aus, die darauf bestehen, dass Abu Talib als Ungläubiger von der Welt gegangen ist. Es wurde jedoch von uns bewiesen, dass diese Behauptung unbegründet und einfach nur tendenziös ist. Korrekt ist, was Tabrasi in seiner Exegese veröffentlich hat, nämlich dass eine Gruppe von Muslimen nach der Eroberung von Mekka den hl. Propheten darum baten, um die Vergebung ihrer ungläubigen Väter zu beten.

Da wurde eben dieser Vers offenbart, und mahnte ausdrücklich davor ab.[13]

Beispiel 3: Man sagt, der erste Vers der Sure Yusuf sei medinisch. Djalal ed din Soyooti hält nicht viel von dieser Behauptung, doch es ist merkwürdig, dass eine Persönlichkeit wie Abu Abdullah Zandjani sie annimmt.[14] Dafür, dass dieser Vers medinisch ist, wird wie folgt argumentiert: Als die in Mekka lebenden Ungläubigen die Juden darum baten, den hl. Propheten (s.) in Medina über Joseph zu fragen, wurde dieser Vers offenbart. Tatsache ist jedoch, dass die ganze Geschichte in Mekka offenbart worden ist. Es macht keinen Sinn, dass nur der Anfang in Medina offenbart worden sein soll. Es kann natürlich auch so argumentiert werden, dass es die Juden waren, die die in Medina lebenden Ungläubigen und Polytheisten darum baten, den hl. Propheten (s.) nach der Geschichte von Joseph (a.s.) zu fragen, und dass diese Sure deswegen offenbart wurde.

 


[1] Die Geschichte von Jaqubi, Band 2, Seiten 26 und 35

[2] Ibn Alnadim, Alfihrist, d

[3] Die Tabrasi Exegese, Band 10, S. 405-406, siehe Auch Schawahid at tanzil, Band 2, ab S. 311

[4] Al-Burhan, Band 1, S. 193

[5] Djabir Ibn Zaid ist einer der berühmten Gelehrten Basras und gehört zu den größeren Nachfolgern der Gefährten des hl. Propheten (s.) Er überliefert von Ibn Abbas und Akrama. Er starb 103 nach der Hedschra. Qatada sagte an jenem Tag: „Heute ist der belesenste Mensch Iraks gestorben.“

[6] Al-Atqan, Band 1, S. 22-29

[7] Zarkaschti ordnet die Sure As-Saff nach der Sure At-Tahrim und vor der Sure Al-Jumua ein. Die Sure At-Tawba wird nach ihm vor Al-Maeda eingeordnet, welche die letzte Sure des hl. Qur’an sein soll

[8] Siehe Altamhid, Band 1, S. 169-237

[9] 5:3

[10] Tarikh Al- Qur’an, S. 27

[11] 9:113-114

[12] Sahih Bukhari, Band 2, S. 119 und Band 6, S. 87

[13] Die Tabrasi Exegese, Band 5, S. 76

[14] Siehe Al-Atqan, Band 1, S. 15 und Tarikh Al-Qur’an, S. 28

Quellen: Qur’anwissenschaften, Kenntnis, Muhammad Hådi

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