Der Qur’an hatte von Anfang an, vor allem was seine Abfassung und die Kalligraphie betrifft einen allmählichen Werdegang. Große Kalligraphen haben in der Ästhetik des Qur’ans und seiner Schrift eine wichtige Rolle. Der erste, der einen Schritt zur Vervollständigung des Buches und der Kalligraphie unternahm war Khålid Ibn Abi al-Hayådj, ein Gefährte von Imam Ali (a.s.), der etwa im Jahr 100 nach der Hedschra verstarb. Er war dafür bekannt, eine sehr schöne Handschrift zu haben.

Es wird gesagt, dass Sa’d, Sachwalter und Hådjib von Walid, ihn als Schreiber für Poeme und Berichte im Hof des Walid Ibn Abdulmalik (86-96 H.Q.) anheuerte. Er war es, der nach der Renovierung der Moschee des hl. Propheten (s.) in Medina durch Omar Ibn Abdulaziz, den Altar dieser Mosche mit Sure „Ash-Shams“ in Gold beschriftete. Die Renovierung wurde im Jahre 90 H.Q. abgeschlossen.[1]

Omar Ibn Abdulaziz beauftragte Khålid damit, ein Buch in derselben schönen Schrift zu schreiben. Dieser schrieb das Buch in seiner schönsten Schrift, und sein Werk wurde von Omar Ibn Abdulaziz angekommen und bewundert. Khålid verlangte jedoch eine hohe Summe für das Werk, die Omar nicht bezahlen wollte, und so gab er ihm die Schrift zurück.

Muhammad Ibn Ishåq (ibn Nadim) sagt: „Ich sah einst ein Buch mit der Schrift von Khålid ibn abi al-Hayådj, einem Gefährten von Imam Ali (a.s.). Dieses Buch befand sich in der Sammlung historischer Schriften, die Muhammad Ibn al-Hussein, auch bekannt als Ibn abi Ba’ra, der es an Abdullah Ibn Håni vererbte.“[2]

Die Kalligraphen schrieben ihre Werke noch bis ins dritte Jahrhundert nach der Hedschra in der Kufi-Schrift. Diese wurde am Anfang des vierten Jahrhunderts nach von der schönen Naskh-Schrift ersetzt. Das erste Buch in Naskh-Schrift wurde von einem angesehenen Kalligraphen Namens Muhammad Ibn Ali Ibn al-Hussein Ibn Maqala (272-328 h.q.) geschrieben. Es wird ihm nachgesagt, der erste zu sein, der Werke in Thulth- und Naskh Schriten verfasste. Er war ein Experte in Geometrie, und dieses Wissen nützte er auch, um die Form der Buchstaben zu ändern und der islamisch-arabischen Schrift eine neue, schönere Ästhetik zu verleihen.

Seine Werke sind einzigartig und bislang wurde in der islamischen Nation kein anderer Kalligraph mit seiner Expertise gesehen. Eine Menge historischer Schriften, unter anderem die Schriften, die im Haråt Museum in Afghanistan aufbewahrt werden, werden ihm zugeschrieben und es wird gesagt, er habe den Qur’an 2 Mal niedergeschrieben.[3]

Die arabische Naskh Schrift wurde im siebten Jahrhundert nach der Hedschra durch Yåghut Ibn Abdulla Muwasali (gestorben im Jahre 689 h.q.) zu ihrem Höhepunkt befördert. Dieser schrieb sieben Bücher, in verschiedenen Schriften und gilt als Vorbild anderer Kalligraphen.[4] Bis zum 11. Jahrhundert nach der Hedschra wurden alle Bücher in seinem Stil geschrieben. Im 12. Jahrhundert fanden die Ottomanen, vor allem nach der Eroberung von Ägypten durch Sultan Salim, Interesse an der Yåghut Schrift und versuchten diese weiterzuentwickeln und zu vervollständigen, und nahmen dabei persische Kalligraphen zur Hilfe. Sultan Salim versammelte alle Maler, Kalligraphen und Künstler in seiner Hauptstadt. Diese kreierten neue Stile der Schrift wie Raqa’i, Diwåni, Tuqra’i und Islåmbuli, die heute noch gebraucht werden.

Manche Ottomanische Kalligraphen wurden sehr berühmt, wie z.B. Håfiz Utman (gestorben 1110 h.q.), Seyed Abdullah Effendi (gest. 1144 h.q.), Ustad Rasim (gest. 1169 h.q.) und Abubakr Mumtåz bak Mustafå Effendi, der die Raqa’i Schrift erfand. Diese gilt als eine der simpelsten und leichtesten arabischen Schriften. Er entwarf die Regeln für diese Schrift und schrieb das erste Buch, dass je in dieser Schrift verfasst wurde. Abubakr Mumtaz Bak präsentierte diese Schrift im Jahre 1280 nach der Hedschra, zur Zeit des Sultan Abdulmadjid Khån.

Auch die Vervielfältigung der Bücher hatte – wie deren Kalligraphie – einen Werdegang, der sich über mehrere Epochen ausdehnte. Zum ersten Mal wurde der Qur’an im Jahre 950 h.q. (1543 n.Chr.) in Bandiqa gedruckt. Die höheren Instanzen der Kirchen gaben allerdings den Befehl, ihn zu vernichten. Später, im Jahre 1104 h.q. (1692 n.Chr.) befasste sich Henkelmann in Hamburg mit dem Druck des Qur’ans. Dies wurde nach ihm, im Jahre 1108 h.q. (1696 n.Chr.) von Maracchi in Pado versucht.

1200 Jahre nach der Hedschra (1785 n.Chr.) ließ Maula Utman in Petersburg den Qur’an drucken und dies gilt als der erste islamische Druck dieser heiligen Schrift. Ein ähnlicher Druck wurde in Kazan durchgeführt.

Flögel ließ einen speziellen Druck des Qur’ans im Jahre 1252 h.q. (1836 n.Chr.) in Leipzig durchführen und wurde wegen seiner simplen Abfassung sehr positiv von den Europäern empfangen. Wie alle anderen europäischen Kopien des Qur’ans, fand aber auch diese in der islamischen Welt keinen Erfolg.

Der Iran war die erste islamische Regierung, die den Qur’an erfolgreich vervielfältigen ließ. Es wurden zwei gesäubert Kopien durch Lithographie erstellt. Diese waren sehr inhaltsreich und waren mit Übersetzungen unter jeder Zeile und zahlreichen Inhaltsverzeichnissen versehen. Die erste Kopie wurde 1243 h.q. (1827 n.Chr.) in Teheran, und die zweite 1248 h.q. (1832 n.Chr.) in Täbris gedruckt. Zur selben Zeit wurde der Qur’an auch in Indien vervielfältigt.

Ab 1294 h.q. (1877 n.Chr.) druckte die Ottomanische Türkei verschiedene Kopien des Qur’ans, die, zu den schönsten und beständigsten Exemplaren des Qur’ans gehören.

Im Jahre 1323 h.q. (1905 n.Chr.) unternahm Russland einen erweiterten Druck des Qur’ans in Kufi Schrift, wovon man glaubte, dass es sich um eine der ersten Ottomanischen Schriften handelte. Dieser Qur’an hatte keinerlei Zeichensetzung, also weder Interpunktion noch über der Zeile stehende Zeichen für undehnbare Vokale. Es fehlten einige Seiten sowohl am Anfang als auch am Ende. Diese Kopie begann mit dem 8. Vers der Sure Al-Baqara: „Und manche Menschen sagen: »Wir glauben an Allah und an den Jüngsten Tag«, doch sie sind keine Gläubigen“ und endete mit dem vierten Vers der Sure Az-Zukhruf: „Und wahrlich, er ist bei Uns in der Mutterschrift hochgehoben (und) voller Weisheit.“ Dieser Qur’an wurde in Samarkand gefunden und der königlichen Bibliothek in Petersburg zur Verfügung gestellt. Das Institut für historische Werke in Tashkent hat dieses Werk in seiner ursprünglichen Form und mit denselben Eigenschaften der fünfzig weiteren Kopien fotografiert und den wichtigsten Universitäten islamischer Länder geschenkt. Eine Kopie dieses Qur’ans befindet sich in der Bibliothek der Universität von Teheran (14403CCA).

Im Jahre 1342 h.q. (1923 n.Chr.) befasste sich Ägypten mit dem Druck des Qur’ans. Die Vervielfältigung geschah durch ein Komitee des Ministeriums für religiöse Güter und unter der Aufsicht von Mashåyekh al-Azhår. Diese Kopie wurde von der islamischen Welt anerkannt und weiter vervielfältigt.

Im Jahre 1370 h.q. (1950 n.Chr.) produzierte der Irak eine sehr wertvolle Kopie des Qur’ans und auch alle anderen Länder der islamischen Welt brachten sehr schöne und wertvolle Kopien dieser himmlischen Schrift hervor, diese Tradition wird heute noch in den islamischen Ländern fortgesetzt.

Eine weitere Kopie des Qur’ans, geschrieben von einem Syrischen Kalligraphen Namens (Utman Tåhå) befindet sich auch im Umlauf, dieser Qur’an wurde in Syrien, Arabien, Iran, Libanon und anderen islamischen Ländern vervielfältigt.

Diese Kopie wird durch die Anordnung der Verse und die ordentliche Unterteilung (Hizb und den 30. Djuz‘) ausgezeichnet.[5]

 


[1] Die Geschichte nach Ya’qubi, Band 3, S. 30 und 36

[2] Alfihrist, S. 9 des ersten Artikels und S. 46 des zweiten Artikels

[3] Al khat al arabi al islami, S. 155 und al khattåt al baqdadi, S. 16

[4]Al-khat ul arabi al islami, S. 171 und Musawar al khat al arabi, S. 92

[5] Siehe auch „Der forschende Qur’an“, Khorramshåhi, Bahå ed din, S. 657

Quellen: Qur’anwissenschaften, Kenntnis, Muhammad Hådi

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